Was sich da so Schlag auf Schlag im Pfarrhaus von Arzenbichl beim heurigen Priener Bauerntheater so ereignet und abspielt, wäre nichts für Tiefgläubige. Weil es aber ein Theater ist, dann sind Stoff und Handlung etwas für Leute, die sich gerne und kurzweilig unterhalten lassen wollen. „Im Pfarrhaus is der Deife los“ – diese Komödie hat das 1919 gegründete Priener Bauerntheater für die Weihnachts- und Jahreswechseltage einstudiert und bringt es nach dem Buch von Sebastian Kolb und Markus Scheble (Wilhelm Köhler Verlag) in drei Akten im Chiemseesaal im Haus des Gastes zur mehrmaligen Aufführung.
Gleich beim Auftakt zum ersten Akt geht es rund als sich zwei Ministranten und ein Pfarrer allerhand zu sagen haben. Dabei spielen einige außergewöhnliche Überraschungen eine große Rolle. Das ungewohnte Motto „Das Pfarrhaus steht allen offen“ und die Sehnsucht von Chorleiterin Monika (Johanna Winzek) nach neuen Liedern für das bevorstehende Kirchenpatrozinium sind nicht ganz nach den Vorstellungen des konservativen Ortspfarrers Bürstel (Franz Fritz), der auch noch eine strenge Diät seiner Schwester und Haushälterin Mechthild (Brigitte Sperger) aushalten muss. Aber gleich zu Beginn des zweiten Aktes kommt es schlimmer: nach einem Treppensturz braucht der Pfarrer für seinen Fuß Gips und Ruhe und er selbst braucht eine Vertretung. Als sich hierfür nicht sein Mentor und Vertraute Pfarrer Ackermann, sondern ein mit einer Harley angereister junger Aushilfspfarrer Karl Wolf (Hans Wallner) einfindet, da bekommt das Geschehen auf der Bühne und das Kirchenleben im Theaterstück neuen Schwung. Schier unlösbar schien es dann, als mit Jenny ein Mädchen aus dem städtischen Nachtleben (Verena Bauer) und wegen ihr der Zuhälter und Ganove Checker (Christian Lackeschmid) und Checkers Leibwächter und Ganove Bonzo (Johannes Löhmann) aufkreuzten. Dass in dieser Situation auch noch die Ministranten Maxl (Maxi Pfliegl) und Franzl (Sebastian Obermüller) beichtwillig und aus gutem Grunde vorstellig wurden machte dies die Situation nicht leichter. Auch nicht für die Vorsitzende des Kirchenrats Gundula Krätz (Anna-Maria Paar), die in sicherer und deutlicher Sprache die Abläufe kommentierte. Letztlich resümierte der Aushilfspfarrer, der sich seine Informationen von seinen Schäflein nicht nur im Beichtstuhl, sondern auch am Stammtisch holte zusammen mit dem für eine Rauferei mit den Ganoven wieder genesenen Ortspfarrer mit den Worten: „Nicht nur mit den Augen, sondern mit den Herzen wollen wir sehen“.
Der Erfolg des Priener Bauerntheaters mit Vorstand Peter Thaurer junior hat viele Gründe. In erster Linie die sicher spielenden Darsteller, Sepp Furtner, der wieder in seiner bewährten Art die Spielleitung hatte, die nicht hörbare Souffleuse Irmi Furtner, das Masken-Team um Gabi Pfliegl, Christian Wöhrer mit ausgereifter Technik auf der schön möblierten Bühne, die Bühnenbauer um Peter Thaurer senior, das Bühnenmalerteam von Rudi Eichwaldt sowie das Kassen- und Verpflegungsteam von Lisi Fischer. Bevor der erste Vorhang fällt und in der Pause unterhalten bei den heurigen Aufführungen die Trautersdorfer bzw. die Mühlbach-Musi. Unterstützt wird das Bauerntheater Prien von der VR Bank Rosenheim-Chiemsee eG, von der Schlosswirtschaft Herrenchiemsee, vom Hotel Luitpold am See und von der Wirtsfamilie Löhmann.
Nach der Premiere am Zweiten Weihnachtsfeiertag, 26. Dezember um 20 Uhr sind weitere Aufführungen am Sonntag, 28. Dezember (bereits um 18 Uhr), am Dienstag, 30. Dezember (20 Uhr), am Samstag, 3. Januar (20 Uhr) und am Sonntag, 4. Januar (bereits um 15 Uhr). Karten sind im Vorverkauf im Ticketbüro Prien im Haus des Gastes im Haus des Gastes (Tel. 08051-965660) sowie jeweils eine Stunde vor Theaterbeginn erhältlich.
Fotos: Hötzelsperger – Eindrücke vom Priener Bauerntheater „Im Pfarrhaus is der Deife los“











