Solidarität & Lichtblicke

Irmengard-Hof gibt Kindern eine Stimme

Veröffentlicht von Toni Hötzelsperger

Premiere am Irmengard-Hof: Lern- und Erlebniswoche „Unterstützte Kommunikation“ gibt Kindern eine Stimme

Am Irmengard-Hof der Björn Schulz Stiftung am Chiemsee fand erstmals eine Lern-und Erlebniswoche zum Thema „Unterstützte Kommunikation“ statt. Sechs Familien mit einem nicht-sprechenden Kind nahmen an dem besonderen Angebot teil – und erlebten eine Woche voller Austausch, Lernen und Gemeinschaft.

Die teilnehmenden Kinder können aufgrund ihrer Behinderung nicht verbal sprechen oder nur wenige Wörter bilden. Sie verstehen jedoch sehr viel und kommunizieren mit einem sogenannten Talker – einem Tablet mit speziellen Kommunikations-Apps, die per Antippen oder Augensteuerung bedient werden. Mithilfe von Symbolen und Sprachausgaben können sie so Wünsche, Gedanken und Gefühle ausdrücken.

Im Alltag treffen die Kinder und ihre Familien nur selten auf andere, die auf dieselbe Weise kommunizieren. Genau hier setzte die Erlebniswoche an: Die Begegnung mit anderen Kindern und Jugendlichen war für viele ein besonderes Highlight.

Gemeinsam mit anderen, die ebenfalls mit Symbolsprache sprechen, zu backen, zu basteln oder die Esel zu füttern, stärkt nicht nur das Selbstbewusstsein, sondern fördert auch den Lernprozess. Denn Symbolsprache muss – ähnlich wie eine Fremdsprache – erlernt und regelmäßig angewendet werden, um sicher und selbstverständlich genutzt werden zu können.

Geplant und durchgeführt hat die Lern- und Erlebniswoche das sozialpädagogische Fachteam des Irmengard-Hofs. Die intensiv-logopädischen Therapieeinheiten wurden von den UK-Logopädinnen Sabrina Beer und Anna-Lena Kahle von der Praxis LogBUK gestaltet. Auch für die beiden Expertinnen war die Woche ein Novum: „Es fehlt leider an Therapeutinnen und Therapeuten, die sich mit Unterstützter Kommunikation gut auskennen. Daher sind wir froh, hier gleich sechs Familien eine Woche lang intensiv begleiten zu können und viele Impulse für die weitere Arbeit zu Hause mitzugeben.“

Auch für die Geschwisterkinder wurde ein abwechslungsreiches Programm angeboten. Neben Spiel und Spaß stand auch für sie der Austausch im Mittelpunkt. Im Alltag haben Geschwister von nicht-sprechenden Kindern oft wenig Kontakt zu Gleichaltrigen in einer ähnlichen Lebenssituation. Die Woche bot Raum für Begegnung, Verständnis und neue Freundschaften.

Für die Eltern war insbesondere der gegenseitige Austausch von unschätzbarem Wert. „Es tut unglaublich gut, auf andere Familien zu treffen, die unseren Alltag wirklich verstehen. Hier mussten wir nichts erklären – wir wurden einfach verstanden“, berichtet eine Mutter.

Initiiert wurde die UK-Lern- und Erlebniswoche vom Irmengard-Hof gemeinsam mit „Josefine Rosalies Freunde – Verein für Unterstützte Kommunikation“. Der Verein übernahm zudem die Teilnahmegebühren der betroffenen Kinder. Außerdem wurde die Familienfreizeit durch eine großzügige Spende von SH HealthCare Friends e.V., München mit ermöglicht.

Am Ende der Woche waren sich alle einig: Die erste Lern- und Erlebniswoche „Unterstützte Kommunikation“ am Irmengard-Hof war ein voller Erfolg – und der Auftakt für viele weitere Begegnungen dieser Art.

Bericht: Irmengard-Hof der Björn Schulz Stiftung

Bildnachweise siehe Bildunterschriften



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Toni Hötzelsperger

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